| Birmingham Bullring |
Mitte 2008 noch hatte ich nur eine wage Ahnung wie sich mein Leben entwickeln könnte. Das damalige einmonatige Praktikum in England war mein erster Schritt, zumindest das konnte ich spüren. Wohin genau wusste ich aber noch nicht. Das zweite Wochenende verbrachte ich damals in Birmingham und gewann einen ersten flüchtigen Eindruck dieses Landes. Letzten Dienstag bin ich nun wieder für zwei Tage nach Birmingham zurückgekehrt. Nach zweieinhalb Jahren hat sich meine Perspektive völlig verändert. Ein gutes Jahr wohne ich jetzt in England und kann sagen, dass mir dieser eine Monat damals in keinster Weise die britische Kultur vermitteln konnte. Mittlerweile bin ich überzeugter Fish’n’Chips-Fan. Das für sich spricht schon Bände.
Der Grund für meinen zweiten Birmingham-Aufenthalt war nicht, dass es eine so wundervolle Stadt ist*, sondern dass mir die Möglichkeit gegeben wurde auf einer kleinen Konferenz einen Vortrag zu halten. Ich sollte über meine Erfahrungen mit einem bestimmten Software-Produkt berichten, das ich bei Lush seit einem Jahr verwende um die Kommunikation zwischen allen Software-Systemen zu ermöglichen. Als ich anfangs gefragt wurde ob ich präsentieren würde, wusste ich instinktiv, dass es eine phantastische Gelegenheit wäre, die ich einfach wahrnehmen müsste. Meine Reaktion war mehr ein emotionales als ein rationales Ja, gefolgt von der Erkenntnis was ich da gerade zugestimmt hatte.
Präsentiert hatte ich schon vorher, aber sowas ist doch was anderes. Etwa einen Monat hatte ich Zeit mich vorzubereiten. Das hieß letztendlich ausreichend Zeit um mir beim Duschen, Kochen, Einschlafen und Zugfahren nervöse Gedanken darüber zu machen, was ich wohl würde sagen werden. Eine ganze Stunde würde ich füllen müssen, vor wer weiß wie vielen unbekannten Gesichtern, die alle viel professioneller sein würden als ich. Und es müsste interessant und unterhaltsam sein. Am besten ungewöhnlich, ganz anders als andere Vorträge. Ich wollte, dass die Teilnehmer etwas von meiner Geschichte mit nach Hause nehmen könnten. Dennoch, es ist merkwürdig mitgeteilt zu bekommen, dass andere an meiner Geschichte überhaupt interessiert seien. Genauso wollte ich aber auch profitieren, neue Ideen und kritisches Feedback bekommen. Vielleicht habe ich das letzte Jahr lang ja alles falsch gemacht und es gab nur niemanden, der das beurteilen konnte. Endlich kam also die Chance Antworten zu bekommen.
| Das Veranstaltungsgebäude (QAD European Headquarter in Dudley) |
Unterm Strich waren diese zwei Tage die bewegenste Bestätigung meines bisherigen Lebensweges. Der dramatische Klang ist durchaus angebracht. Nicht nur dass ich zu meiner Überraschung vollkommen in meinem Vortrag aufgegangen bin, sondern wieviel Schub mir der Austausch mit den anderen Teilnehmern gegeben hat. Insbesondere mein Namensschild, auf dem „Presenter“ prangte. Das hat mir viel Zuversicht und ganz neue Motivation für die Zukunft gegeben. Kommt mir gerade Recht wo ich doch versuche mir hier im Ausland ein Leben aufzubauen.
* Ein Brite hebt hier gleich die Brauen. Meint dieser Ausländer das ernst? Wie müssen die Städte in seinem Land dann bloß aussehen? Nein, schlimmer als hier geht es doch nicht, der Arme muss verwirrt sein.
Hier als Beweis ein Link zu meiner Präsentation (s. auch PUG UK & Ireland).
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen