Mein Leben hat eine Kehrtwende genommen und vieles ist dabei sich zu ändern. Von nun an bin ich auf mich alleine gestellt, ohne Freundin und ohne Studium, die meinem Leben zuvor Struktur und Halt gaben. Meinen herausfordernden Job habe ich als einziges weiterhin behalten, auch wenn dieser mehr nach Struktur verlangt als dass er sie gibt. Dass ich in einem fremden Land bin, ohne jegliche gewohnten Sicherheiten, wird mir jetzt wie mit einem Schlag ins Gesicht bewusst. So müssen sich End-Teenies fühlen, wenn sie in ein anderes Land studieren gehen und sich von ihrer Familie lösen. Keine Mama mehr, die einem Essen vorsetzt und unter den Füßen Staub saugt. Dass ich ein Spätzünder bin wusste ich dabei schon immer. In Spätzündern steckt jedoch auch das Potenzial, lang gehegte Wünsche präzise formulieren und dann besser umsetzen zu können. Und so will ich nun auch diese Chance ergreifen, tatsächlich zu tun was ich schon immer als meinen Traum verkündet hatte: In einem anderen Land wohnen, Sitten und Unsitten kennenlernen und Neues entdecken. Denn auch wenn ich vor knapp einem Jahr hierher gezogen bin, fühlt es sich an als ob das Einleben erst jetzt beginnt.
Angefangen habe ich mit einem Örtchen, das glücklichweise meine Hoffnung wieder hergestellt hat, dass es auch malerische Städte mit stimmiger Atmosphäre in England geben kann. Dieses schnuckelige Örtchen ist Winchester, etwas nördlich von Southampton gelegen und die einstige Hauptstadt des Vereinigten Königreiches. Kaum zu glauben bei einer Einwohnerzahl von heutzutage gerade mal 40.000. Hier findet sich alles was man braucht: Eine Kathedrale, eine Burg, eine gemütliche Einkaufsstraße ohne Autos und ein Flüsschen, das sich durch die Stadt zieht und urigen Pubs zusätzlich zu deren offenem Kaminfeuer eine romantische Aussicht verleiht. Ein viel verheißender Start in einen neuen Lebensabschnitt, den mir ein neu gefundener Freund mit seiner Einladung in seinen Heimatort da beschert hat!



