Nicht lange muss man nach seiner Ankunft in Deutschland warten bis man hier bereitwillig von den Symptomen des deutschen Nörgelnebels umgeben wird. Diesen Begriff haben meine Schwester und ihr Freund in ihrem neuesten Buch geprägt. Der Deutsche ist im Prinzip mit der Gesamtsituation unzufrieden und gibt dies wo möglich kund: „Es ist nicht unbedingt so, dass man unglücklich ist – nur, dass man niemals erwarten würde, dass etwas Gutes passiert.“Mittlerweile bin ich selber Wahlausländer und kann somit meine ehemalige Heimat mit neuen Augen begutachten. Ist dieser Nörgelnebel wirklich allgegenwärtig? Mit dem Frankfurter Flughafen fängt es für mich an, er empfängt mich in seine durch und durch grauen, hochglanzpolierten Stahl-, Glas- und Marmor-Arme. Alles ist modern und sauber, übersichtliche rechte Winkel, alles unter Kontrolle. Wenigstens die Drogenhunde scheinen hier ihren Spaß zu haben. Dabei machen sich Hunde aus lebensfrohen Farben aber ohnehin nicht viel. Die Passkontrolle – ein verschwenderisch riesiger Raum ohne Fenster, dafür Marmorboden bis zum Horizont, das einzige farbige Element sind quasi Stasi-Beamte in ihren Kabinen. Ich erlaube mir hier immer den Spaß lächelnd „Hallo!“ zu sagen, nur um eine menschliche Reaktion zu entlocken. Ein freundliches „Willkommen in Deutschland, ich hoffe Sie werden hier eine gute Zeit haben!“ ist mir dabei noch nie entgegnet worden. Bei so viel Leben, das in diesen Beamten steckt, könnte man vermuten künstliche Intelligenz sei bereits perfektioniert worden. Der Unterschied zwischen gefühlslosem Roboter und Mensch ist kaum bemerkbar.
Weiter geht es also zum Shuttle zwischen den Terminals. Auf dem Weg habe ich viele Deutsch sprechen hören, nun da alle im Shuttle sind und Privatsphäre teilen müssen werden sie still. Nur fremde Sprachen sind noch zu hören. Man geht sich umsichtig aus dem Weg und rückt seinen Koffer von den Beinen der anderen weg, den Blick dabei immer auf dessen Schuhe gerichtet, man will ja Augenkontakt meiden. Weiter zum Bahnhof und in den Zug. Die penetrante Höflichkeit, die ich mir in England zu eigen gemacht habe, wird hier höchstens mit einem Blick honoriert. Dabei habe ich die Tür bereits fünf Sekunden aufgehalten, meinen eigenen schweren Koffer in der anderen Hand, und gewartet bis der Herr seinen Koffer dann durchbugsiert hat. Danke Deutschland, ja, ich bin froh wieder hier zu sein und werde bestimmt eine umwerfende Zeit mit all diesen Fresseziehern verbringen.
Da kann ich doch von Glück sagen, dass ich hier aufgewachsen bin und somit ein Leben lang Zeit hatte Menschen zu finden, von denen ich weiß, dass sie auch mal lachen.
So, genug genörgelt nun über die Deutschen und ab in den pünktlichen Bus, der auch noch günstig ist und viel Stellraum für Fahrräder bietet. Solchen Luxus gibts in England leider noch nicht. Oder Packstationen. Oder Internettelefon-Flatrates. Oder Verkehrsverbünde. Oder Portemonnaie-freundliche Wohnungen mit erwachsenengerechter Raumgröße.
Wer übrigens Interesse an oben erwähntem Buch „Nörgeln! Des Deutschen größte Lust“ von Eric T. Hansen (und meiner Schwester Astrid Ule) hat, der gehe auf die Amazon-Seite. Ein prima Sammelsurium an Einsicht in die deutsche Seele!
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