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Dienstag, 8. Dezember 2009

Nichts ist unmöglich!

Eine „Can Do Attitude“ gehört offenbar zum Standardrepertoire englischer Makler und Verkäufer. So zumindest das Ergebnis meiner bisherigen Jobsuche – dabei bin ich doch Informatiker! Schade also, dass ich beruflich weder Wohnungen noch andere Dinge an den Mann bringen will. Denn gerade eine solche „Can Do Attitude“ scheint sich bei mir zurzeit als Charaktereigenschaft zu manifestieren.

Löste der Slogan „Just Do It“ bei mir früher immer ein ungewohntes Kribbeln bei der Vorstellung aus einmal etwas Gewagtes und völlig Überraschendes zu tun, so bin ich über diesen Schritt bereits hinaus. Alle Rechnungen für die neue Wohnung in England sind bezahlt, auch die für das Umzugsunternehmen. Die alte Wohnung ist gekündigt, der Job ebenfalls. Gefrierschrank und Aikido-Trainingswaffen sind verkauft; Schreibtisch, Küche und Bett warten noch auf Abnehmer. Ich komme nachhause und das Wohnzimmer ist nicht mehr papayafarben, sondern weiß: Meine Freundin leistet während meiner Arbeitszeit ebenfalls volle Arbeit und verwandelt unsere Wohnung in etwas, das demnächst andere ihr Zuhause werden nennen können. „Just Doing It“ passt da wohl besser.

All dies ist ein logistischer Akt, der flexibles und zuverlässiges Projektmanagement im privaten Bereich fordert. Das Leben findet zwischen Kartons und auseinandergenommenen Schrankwänden statt, fast täglich verschwinden gewohnte Einrichtungsgegenstände, dazu finanzielle Überlegungen – was lohnt es mitzunehmen, was neu zu kaufen? Pro Kubikmeter 90€ Transportkosten zu zahlen rückt den Wert des eigenen Mobiliars in ein ganz neues Licht.

Meine Feierabende dienen mittlerweile zudem dem Umgang mit der Bürokratie zweier Länder, von Sonderkündigungsbedingungen über Versicherungsleistungen. Den anspruchsvollen Englischtest nicht zu vergessen, für den ich mich vor zwei Monaten so mutig angemeldet hatte – wohlwissend, dass die Prüfung lediglich zwei Tage vor der Abholung unserer Möbel und Umzugskartons stattfinden würde. Aber warum nicht? Schließlich soll in meinem Leben mal wieder was passieren und ich will einfach sehen wie ich mich dabei so mache.

Dabei ist mir meine Freundin die größte Stütze, sowohl emotional als auch praktisch. Ohne sie hätte ich weiterhin nur meinen Traum geträumt und würde mit Sicherheit nicht so erwartungsvoll in diese neue Zukunft blicken. Noch dazu sorgt sie in all diesem Trubel für eine „cosy corner“ und beharrt auf effiziente Entspannung sowie Ernährung zur richtigen Zeit.

Die jetzt gesammelten Erfahrungen werden sich in unseren Lebensläufen später wohl nur zwischen den Zeilen lesen lassen. Die Organisation eines solchen Umzuges unter Berücksichtigung aller beteiligten Emotionen ist wahrlich kein leichtes Unterfangen. Dennoch bin ich überrascht davon wie leicht ich sonst in Panik gerate, nun aber ruhig Blut bewahre und die Hoffnung und Vorfreude auf eine neue Zeit in mir wallen. Dies ist wohl die erste fundamentale Erkenntnis, wegen derer ich dieses Unterfangen doch erst in Angriff genommen hatte.

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