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Mittwoch, 11. November 2009

Ein Abenteuer wartet

So lautete der Spruch eines Glückskekses, der mir vor über einem Jahr in die Hände gespielt wurde. „Ein Abenteuer wartet.“ – das gefiel mir, war es doch genau das, worauf auch ich seit einigen Jahren gewartet hatte.

Zuhause angekommen bekam der Papierstreifen deshalb gleich einen Ehrenplatz in der Mitte meines großen Bücherregals im Wohnzimmer. So klein, dass er wohl keinem auffällt, aber doch immer präsent. Ich hatte einfach gehofft, dass er so seinen existenzbegründenden Zweck erfüllen und allein durch seine Aura mein Leben verändern würde. Ich setze mich nun mal gerne neuen Dingen aus.

Ein Jahr später, also etwa vor einer Woche, kam ich nachhause und bemerkte erst nach einigem Hin- und Herlaufen zwischen Küche und Wohnzimmer, dass meine Freundin offenbar in einer ruhigen Minute und in meiner Abwesenheit besagtes Regal in seine Einzelteile zerlegt hatte. Diese lehnen seitdem alle sorgfältig sortiert an der Wand und warten auf ihren Abtransport. Genauso haben die Bücher in einigen Kartons ein neues Zuhause gefunden. Der Glückskekszettel ist unter dem Bretterstapel nicht mehr sichtbar, wobei mir auch auffiel, dass ich dessen Existenz schon seit längerem vergessen hatte.

Immerhin, seine Aufgabe hat er mittlerweile auch mit Bravour erfüllt: Nicht lange musste ich damals warten bis ich meine Freundin, eine gebürtige Halb-Engländerin, Viertel-Spanierin und -Kanadierin, kennenlernte, mit der ich nun zum Jahreswechsel nach England ziehen werde.

Der Kontrast zwischen uns ist groß: Sie schon fast eine Globetrotterin, hat gelebt in England, Schottland, wieder England, Spanien und nun Deutschland – und ich? Mainz. Fast 30 Jahre nun, mein ganzes Leben. Als sie in mein Leben trat begann ich endlich langsam aus meinem alten herauszutreten.

Der Deutsche, der ich bin – wenn auch Halbfranzose mit einem multikulturellen Freundeskreis, einer iranischen Ex-Freundin und einer Faszination für andere Kulturen und fremde Traditionen – sah sich vor diesem Kontrast plötzlich in seiner Urdeutschheit auffallend bestätigt. Offenheit, Toleranz und Laissez-faire sind Tugenden, die der Deutsche gerne zulässt, aber bitte nur in geregeltem Rahmen. Siehe Fastnacht – da hat der Deutsche Spaß und lässt sich gehen: ab dem 11.11. um 11:11 Uhr. Das ist schön präzise und zuverlässig. Ein Blick auf den Kalender reicht aus um zu wissen, ob der Deutsche heute Spaß hat oder nicht.

So viele Regeln und Traditionen fühlten sich für mich nur leider irgendwann wie eingefahren an. Vor allem wenn man sich sein Leben lang darauf verlassen hat und nie ernsthaft daraus ausgebrochen ist. Dies ist aber nun mein Plan, mein persönliches Abenteuer: Ich ziehe in ein anderes Land. Nicht alleine, zum Glück. Dafür aber noch ohne neue Wohnung oder Job. Das macht es spannend, aufreibend, kurios und augenöffnend.

Dieser Blog soll nun sowohl eine Reflexionsmöglichkeit für mich bieten, vor allem aber eine virtuelle Brücke über den Ärmelkanal zu meinen Freunden und Kollegen und zu meiner Familie schlagen.

In diesem Sinne „Helau!“ – ab heute, dem 11.11.09 um 11:11 pm, beginnt ein neues Kapitel, in dem ich es mir bewusst werde gut und anders gehen lassen.

Viel Spaß beim Lesen!
Dominique

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